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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 10.30 UTC Zyklonale (im Südwesten antizyklonale) Nord- bis Nordwestlage; im Nordosten unbeständig und mäßig warm (an den Küsten kühl), im Südwesten mehr Sonne und warm. Dabei kaum markante Wettererscheinungen. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 23.07.2026 Die am Freitag und Samstag eingeleitete Wetterumstellung hat sich zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Sonntag, vollzogen: Einem von der Barentssee über Skandinavien bis nach Mitteleuropa reichenden Höhentrog steht ein breiter Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik gegenüber, der sich mittlerweile über Island bis nach Südgrönland aufwölbt. Um Tagesverlauf passiert dabei ein kräftiger Randtrog von Nordwesten her das Vorhersagegebiet südost- später ostwärts und tropft in der Nacht zum Montag über Polen ab. Rückseitig stellt sich eine zyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung ein, innerhalb derer weitere kurzwellige Troganteile vor allem den Norden und Osten Deutschlands passieren. Das mit dem Trog korrespondierende Bodentief hat Sonntagfrüh über Südfinnland den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und zieht langsam Richtung Karelien, wobei es sich allmählich auffüllt. Dessen Kaltfront überquert im Tagesverlauf langsam die Alpen südwärts, so dass es im Süden und Osten Bayerns noch längere Zeit regnet, einzelne Gewitter vor allem an den Alpen und im Vorland nicht ausgeschlossen. Erst nachmittags und abends klingen die Niederschläge dort allmählich ab. Rückseitig erreicht die maritim erwärmte Polarluft die Alpen, in 850 hPa sinkt die Temperatur auf Werte zwischen 4 Grad im Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Vor allem im Norden und Osten entwickeln sich innerhalb der labil geschichteten Höhenkaltluft weitere Schauer und auch kurze Gewitter, während sich im Westen und Südwesten sowie zwischen Main und Donau im Einflussbereich eines dorthin vordringenden Hochkeils eine rasche Wetterberuhigung einstellt. Es bleibt dort meist trocken und für längere Zeit scheint auch die Sonne. Am Montag und in der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Cut-Off-Tief weiter zum Baltikum und von Norden her überquert ein weiterer Randtrog mit einem vorgeschalteten, scharf konturierten Bodentrog den Norden und Osten Deutschlands südwärts. Mit dessen Passage frischt der Wind vor allem an der Ostsee vorübergehend stark böig aus Nord bis Nordost auf, nach Lesart des IFS reicht es entlang der vorpommerschen Küste sogar kurzzeitig für stürmische Böen. Zudem muss vor allem im Nordosten recht verbreitet mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, allerdings ohne, dass Warnschwellen erreicht werden. Ansonsten gibt es nur vereinzelte Schauer, in der Südwesthälfte bleibt es im Einflussbereich eines Bodenhochkeils sogar überwiegend trocken und auch länger sonnig. An den 850 hPa-Temperaturen ändert sich nur wenig; im Norden und Osten werden 18 bis 22 Grad erreicht, im Westen und Süden 21 bis 25 Grad. Am Dienstag folgt ein in die nordnordwestliche Höhenströmung eingebetteter flacher Höhenkeil und sorgt für eine gewisse Wetterberuhigung, auch im Bodenfeld kann sich ein Keil des kräftigen Hochs westlich der Britischen Inseln (über 1035 hPa) weiter ins Vorhersagegebiet ausweiten. Innerhalb der von Nordwesten nach Mitteleuropa advehierten maritim erwärmten Polarluft reicht es im Norden und Osten eventuell noch für ein paar schlappe Schauer, am ehesten wohl in den Mittelgebirgen. Zumindest bleibt es vor allem in einem breiten Streifen von der Deutschen Bucht bis zu den östlichen Mittelgebirgen eher bewölkt, während an der Ostsee, vor allem aber im Südwesten häufig die Sonne scheint. Allgemein wird es um etwa 1 bis 2 K wärmer als am Vortag mit Maxima zwischen 19 und 26 Grad, Am Mittwoch greift im Tagesverlauf von Norden her ein markanter Kurzwellentrog auf den Nordosten Deutschlands über und überquert in der Nacht zum Donnerstag die Osthälfte südwärts. Dahinter dreht die Höhenströmung mehr auf Nord. Trogvorderseitig ist nun fast landesweit mit Schauern und auch einzelnen Gewittern zu rechnen, lediglich der Südwesten bleibt wohl weitgehend ausgespart und auch im Nordosten, insbesondere an der Ostsee, setzt sich rasch wieder die Sonne durch. Dagegen kann es im Südosten, insbesondere an den Alpen, in der Nacht zum Donnerstag bis Donnerstagmittag noch längere Zeit regnen. An den Küsten frischt der Wind vorübergehend aus Nordwest auf, aber wohl ohne Warnschwellen zu erreichen. Erneut gelangt ein Schwall maritimer Polarluft ins Vorhersagegebiet, in 850 hPa sinkt die Temperatur allgemein auf 5 bis 9 Grad. Somit dürfte es auch im Südwesten, trotz noch häufigeren Sonnenscheins, wohl lediglich im südlichen Oberrheingraben bzw. in Südbaden für knapp 25 Grad reichen. Am Donnerstag folgt ein flacher Höhenrücken und die Höhenströmung kippt wieder mehr auf Nordwest. Das Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln zieht sich zwar nach Westen zurück und schwächt sich ab, dennoch reicht ein Keil nach wie vor bis ins Vorhersagegebiet, der sich sogar noch ein wenig verstärkt. Vor allem in den Norden und Osten bis zu den zentralen und östlichen Mittelgebirgen gelangen von Nordwesten her nach wie vor relativ feuchte Luftmassen, innerhalb derer sich aber nur noch vereinzelte Schauer entwickeln. Im Westen und Südwesten sowie an der Ostsee scheint dagegen länger die Sonne und es bleibt trocken. Die Luftmasse kann sich wieder etwas erwärmen, entlang der Oberrheinschiene reicht es wohl etwas verbreiteter für einen Sommertag, während an den Küsten keine 20 Grad erreicht werden. In der erweiterten Mittelfrist, am Freitag und Samstag, nimmt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet nach Lesart des IFS eine zunehmend antizyklonale Kontur an, am Samstag wölbt sich vorderseitig eines auf die Biskaya und Westfrankreich übergreifenden Höhentroges sogar ein Rücken über Mitteleuropa auf. Somit bleibt es an beiden Tagen weitgehend störungsfrei bei zunächst nur etwas ansteigendem Temperaturniveau. Am Samstag dreht die Strömung niedertroposphärisch auf Süd und es werden vor allem in die Südwesthälfte subtropische Luftmassen mit 15 bis über 20 Grad in 850 hPa advehiert, die zugleich auch potenziell instabil geschichtet sind, so dass es zu ersten Gewittern kommen könnte. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die drei letzten IFS-Läufe erweisen sich als konsistent. Bis in die erweiterte Mittelfrist zeigen die gestrigen Läufe keine Alternativlösungen. Unterschiede ergeben sich lediglich im Detail, in erster Linie die Randtrogentwicklungen sowohl am kommenden Montag als auch und vor allem am Mittwoch betreffend. Für den Montag hat der aktuelle IFS-Lauf den die Osthälfte Deutschlands überquerenden Bodentrog schärfer auf der Agenda als die gestrigen Läufe, ähnliches gilt auch für den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch, der im aktuellen Lauf ebenfalls markanter und zudem noch progressiver simuliert wird. In der erweiterten Mittelfrist deutete der gestrige IFS-Lauf von 00 UTC Richtung übernächstes Wochenende eine erneute Austrogung über dem Nordmeer und den Britischen Inseln an, der gestrige 12 UTC-Lauf dagegen eher über der Norwegischen See und Skandinavien, während der aktuelle Lauf für das Vorhersagegebiet insgesamt antizyklonaler aufgestellt ist. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch die vorliegenden Globalmodelle ähneln allesamt zumindest bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche dem IFS. Vom Timing her laufen die Randtrogpassagen am Montag und Mittwoch ähnlich ab, allerdings gibt es bzgl. deren Geometrie und somit auch deren Wetterwirksamkeit noch kleinere Differenzen. So hat z.B. der aktuelle UK10-Lauf am Montag eine ähnlich starke Bodentrogentwicklung auf der Agenda wie das IFS, GFS, ICON und GEM sind diesbezüglich deutlich defensiver aufgestellt. Den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch simuliert dagegen das ICON am stärksten und lässt ihn auch weiter nach Westen ausgreifen, so dass es selbst im Südwesten Deutschlands für nennenswerte Niederschläge reichen würde. In der erweiterten Mittelfrist, also am übernächsten Wochenende, simulieren sowohl das GFS als auch das GEM einen nach Südskandinavien gerichteten Trogvorstoß, fahren also beide für das Vorhersagegebiet eine etwas zyklonalere Variante als der aktuelle IFS-Lauf. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die drei Cluster zu Begin der Mittelfrist (T+72 bis 96 Stunden) sind aufgrund des außerordentlich kräftigen Höhenhochs über dem Ostatlantik alle dem Großwetterlagenregime "Atlantic Ridge" zugeordnet und unterscheiden sich für Mitteleuropa kaum. Auch im Zeitraum T+120 bis 168 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Member auf drei Cluster. Nach wie vor bleibt der Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik eindeutig dominant, flankiert vom Höhentrog über Skandinavien und Osteuropa. Unterschiede gibt es bzgl. eines von Nordwesten Richtung Mitteleuropa schwenkenden Randtroges, der sich nach Lesart des CL 2 (19 Member) und vor allem des CL 3 (13 Member) weiter nach Westen ausweitet als in CL 1 (19 Member) und somit größeren Einfluss auf die Wetterentwicklung auch über Südwestdeutschland nehmen würde. Der Hauptlauf lässt sich da eher CL 1, maximal CL 2 zuordnen, während z.B. der ICON-Hauptlauf von 00 UTC eher der Variante CL 3 entsprechen würde mit verbreiteteren Niederschlägen auch im Südwesten Deutschlands. Die erweiterte Mittelfrist mit ihren 5 Clustern zeigt dann vor allem am übernächsten Wochenende ein ganzes Potpourri von Lösungsmöglichkeiten auf. Neben mehr oder weniger zyklonal Südwest (CL 1, 19 Member) und zyklonal Nordwest (CL 2 und 3, 12 bzw. 9 Member, wie gehabt, mit Trögen über Skandinavien und Osteuropa) gibt es auch Lösungen mit Trögen über West- und Mitteleuropa (CL 4 und 5, jeweils 7 und 4 Member). Alles in Allem wohl eher unbeständig, aber nicht übermäßig niederschlagsintensiv auf einem überwiegend gemäßigten, der Jahreszeit entsprechenden Temperaturniveau. Einige Varianten hätten zwar kurze Hitzeeinschübe vor allem nach Südwestdeutschland zur Folge (siehe auch IFS-Hauptlauf zum übernächsten Wochenende), aber diese sind nicht nachhaltig und eine Hitzewelle ist weit und breit nicht in Sicht. Die Rauchfahnen verschiedener, im Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte bestätigen diese Aussage. Bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche verläuft die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der einzelnen ENS-Member in einem relativ engen Spread auf einem gemäßigten Temperaturniveau (4 bis 8 Grad für die norddeutschen Gitterpunkte, 7 bis 11 Grad in Süddeutschland) und mit einigen Niederschlagssignalen vor allem am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag. Am übernächsten Wochenende geht's dann bei breiter werdendem Spread bergauf mit der Temperatur, dabei gibt es aber nach wie vor Niederschlagssignale und die 20 Grad in 850 hPa zeigen nur wenige versprenkelte Einzelläufe. FAZIT: Der Sonntag und die kommende Woche dürften wettertechnisch ziemlich unspektakulär verlaufen mit angenehmen, im Norden vor allem an den Küsten sogar eher kühlen Temperaturen und nur wenigen Niederschlägen, hauptsächlich im Norden und Osten sowie anfangs auch an den Alpen. Mit einem weit nach Westen ausgreifenden Randtrog kann es dann am Mittwoch/Nacht zu Donnerstag vielleicht auch im Südwesten etwas flächendeckendere Regenfälle geben, die Mengen bleiben allerdings sehr übersichtlich. Ab dem übernächsten Wochenende werden die Prognosen dann deutlich unsicherer. Ein kurzer Hitzeeinschub vor allem nach Südwestdeutschland ist zwar möglich, dieser wird aber im Falle des Falles nicht nachhaltig sein. Eine Hitzewelle ist somit erst einmal weit und breit nicht in Sicht. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Signifikante Wettererscheinungen sind bis auf Weiteres kaum zu erwarten. Am Sonntag kann es im Norden und Osten sowie an den Alpen zwar einzelne Gewitter geben, markante Begleiterscheinungen (kleinkörniger Hagel, Starkregen, stürmische Böen) sind aber eher die Ausnahme. Etwas unsicher ist noch die Windentwicklung mit dem Bodentrog am Montag. Nach Lesart des IFS und des UK10 würde es entlang der vorpommerschen Küste vorübergehend für stürmische Böen aus Nord bis Nordost reichen, die anderen Modelle simulieren den Wind insgesamt schwächer. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff |
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