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Wissenschaft Kompakt

Satelliten und Sahara-Staub in Suriname



Wir betrachten das Phänomen von Sahara-Staub der über den Atlantik
geweht wird und betreiben dabei Werbung für die zahllosen
Möglichkeiten auf dem EUMETSAT Portal.


Wenn man auf der Website von EUMETSAT (European Organisation for the
Exploitation of Meteorological Satellites; deutsch: Europäische
Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) die Welt
von oben betrachtet, beziehungsweise den Teil der Welt den der
geostationäre MTG-I1 Satellit "sehen" kann, zeigt sich in den letzten
Tagen ein interessantes Phänomen: Eine Wolke aus Sand und Staub aus
der Sahara, wie sie von der Westküste Afrikas über den Atlantischen
Ozean westwärts hinweg weht.


Abbildung 1 zeigt eine Bildfolge der letzten 7 Tage jeweils um 12:50
UTC, basierend auf Messungen des MTG-I1 (Meteosat Third Generation
Imager 1) aus dem MTG-Satellitenverbund, welcher von EUMETSAT(link1)
in Zusammenarbeit mit der ESA (European Space Agency) entwickelt
wurde. MTG-I1 ist der erste Satellit dieser neuesten Generation
europäischer Wettersatelliten, und operiert in geostationärer
Umlaufbahn. Das heißt, er bleibt über einem festen Punkt über dem
Äquator und beobachtet dauerhaft dieselbe Region, in diesem Fall
Europa, Afrika und die angrenzenden Ozeane.

MTG-I1 liefert unter anderem RGB-Bilder wie sie in Abbildung 1 zu
sehen sind (wir empfehlen der interessierten Leserschaft unbedingt
das Experimentieren mit den verschiedensten zur Verfügung gestellten
Produkten im anfangs verlinkten EUMETSAT Portal). Die RGB-True-Color
Bilder werden aus Messungen der Sonnenstrahlung im sichtbaren
Spektrum erstellt. Dazu werden drei Mess-Kanäle genutzt, die den
Grundfarben entsprechen:
Rot-Kanal (R): misst Licht in etwa 0,64?0,70 µm
Grün-Kanal (G): misst Licht in etwa 0,51?0,58 µm
Blau-Kanal (B): misst Licht in etwa 0,45?0,50 µm
Die Sensoren des Satelliten erfassen dabei die von der Erdoberfläche,
Wolken und mitunter auch dem Saharastaub reflektierte Sonnenstrahlung
in diesen Wellenlängenbereichen. Anschließend werden die Signale der
drei Kanäle kombiniert um ein Bild zu erzeugen das die Erde so zeigt,
wie das menschliche Auge sie wahrnehmen würde.

Wäre MTG-I1 noch nicht in Betrieb würde sich jetzt umso mehr ein
Blick auf die Messungen der Satelliten Sentinel 3A und B lohnen, da
diese durch ihre marginal nähere Umlaufbahn um die Erde (ca. 800 km
für Sentinel im Vergleich zu 36000 km für MTG-I1) mit etwa 300 m eine
deutlich höhere Auflösung haben als die geostationären MSG (Second
Generation) Satelliten.


Abbildung 2 zeigt, dass dieser Unterschied bei MTG-I1 gar nicht mehr
so hervorsticht, beziehungsweise dass MTG-I1 umso beeindruckender
ist. Hier sei erwähnt, dass die horizontale Auflösung auch von der
gemessenen Wellenlänge abhängt und im sichtbaren Spektrum bei
vergleichsweise kurzen Wellenlängen noch schärfere Bilder erzeugt im
Vergleich zu der farblichen Übersetzung der Infrarot-Messungen.


Da wir nicht genug bekommen können von Satellitenbildern, untermauern
wir die eindrucksvollen Fähigkeiten von MTG-I1 noch einmal mit einer
weiteren Sequenz von RGB-Bildern, über einen Zeitraum von 4 Stunden
am gestrigen Donnerstag Nachmittag, in voller 10-Minuten Auflösung,
und in einem kleineren Ausschnitt über dem Atlantik und Westafrika.
Hier zeigt sich schön die komplexe vertikale Struktur der Troposphäre
- wie stark und in welche Richtung weht der Wind in verschiedenen
Höhen? Im Detail sieht man noch einmal eindrücklich wie weit der
Saharastaub nach Westen transportiert wird.

Sandstürme, die in der Sahara häufig vorkommen, entstehen, wenn große
Mengen von Wüstenstaub von starken Winden aufgewirbelt werden. Anfang
dieser Woche hatte sich südlich eines weiträumigen Hochdruckgebiets
über Nordafrika ein recht starker bodennaher Ostwind gebildet. Je
nach Trockenheit, Geschwindigkeit und Turbulenz der Luftmassen können
die aufgewirbelten Partikel mehrere Tage oder sogar Wochen in der
Luft schweben. Winde in der oberen Troposphäre transportieren den
Staub dann über Ozeane und Kontinente. Eine solche Staubwolke aus der
Sahara wird auch als Saharan Air Layer bezeichnet. Diese spielt
mitunter eine wichtige Rolle als Quelle für Minerale und Nährstoffe,
zum Beispiel für das Phytoplankton in den Ozeanen, aber auch für weit
entfernte Ökosysteme wie den Amazonas-Regenwald. Ob es der
Sahara-Sand als im Satellitenbild sichtbares Signal bis nach Suriname
schafft bleibt abzuwarten und zu beobachten!

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst


Dipl.-Met. Thorsten Kaluza

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.02.2026

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