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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 25.05.2020 um 10.30 UTC



Hochdruckrandlage; meist ruhiges, antizyklonal dominiertes Wetter. Zu Pfingsten
mit Übergreifen eines Höhentiefs unbeständiger.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 01.06.2020


Freunde "gepflegten Vollwetters" kommen im Mittelfristzeitraum, der am
Donnerstag, den 28.5. beginnt und bis zum Pfingstmontag (1.6.) reicht, nach wie
vor nicht auf ihre Kosten.
Bis über den Monatswechsel hinaus steht das grobe Muster mehr oder weniger fest:
Blockierenden Höhenrücken über West- und Nordwesteuropa bzw. über dem
eurasischen Raum (Kaspisches Meer, Ural) steht ein Höhentrog gegenüber, der sich
zunächst von Nordskandinavien über Osteuropa bis zur Ägäis erstreckt und der
über Pfingsten mit Kippen der Rückenachse Richtung Skandinavien (was dort
letztendlich in einer eigenständigen Höhenantizyklone mündet) abgeschnürt wird.
Wie dieser Prozess im Detail vonstattengeht, ist allerdings noch unsicher, aber
mitentscheidend für die Wetterentwicklung über die Pfingstfeiertage, auch, wenn
signifikante Wettererscheinungen voraussichtlich nicht zu erwarten sind.
Nun aber erst einmal zur vom aktuellen IFS-Lauf simulierten Entwicklung:
Am Donnerstag erstreckt sich besagter und der breit angelegte Höhenrücken über
die Britischen Inseln hinweg nordwärts bis nach Island bzw. zum Nordmeer. Der
über Skandinavien südwärts reichende Höhentrog wurde von Nordwesten her
regeneriert, innerhalb der daraus resultierenden nördlichen Höhenströmung
verlagert sich ein kurzwelliger Randtrog über das östliche Mitteleuropa bzw.
über den Südosten des Vorhersagegebietes hinweg südwärts. Vor allem in
Süddeutschland gibt es mit Durchschwenken des Troges noch einzelne Schauer,
ansonsten geraten weite Teile des Landes in den Einflussbereich eines
umfangreichen Bodenhochs mit Schwerpunkt über den Britischen Inseln bzw. der
Nordsee. An dessen Ostflanke gelangt allerdings Kaltluft aus dem skandinavischen
Raum ins Vorhersagegebiet, die 850 hPa-Temperatur sinkt auf etwa 1 bis 6 Grad.
Vor allem in der Norddeutschen Tiefebene und im zentralen Mittelgebirgsraum kann
es in ungünstigen Lagen Bodenfrost geben.
Am Freitag und Samstag beginnt die Rückenachse zu "kippen" und erstreckt sich am
Sonntag, 00 UTC über die Britischen Inseln hinweg nordostwärts nach
Nordskandinavien. Gleichzeitig weitet sich vom Höhenrücken über dem Ural ein
Keil Richtung Nordwestrussland aus, so dass der Höhentrog über Osteuropa bzw.
dem östlichen Mitteleuropa abtropft. Das Cut-Off-Tief "nistet" sich nach Lesart
des aktuellen IFS-Laufes am Freitag und Samstag in etwa über Polen ein, wobei
ein kleinräumiges abgetropftes Höhentief über Südnorwegen Richtung Mitteleuropa
zieht, vom Cut-Off-Tief eingefangen wird und sich als kurzwelliger Randtrog am
Freitag über Deutschland hinweg südsüdwestwärts verlagert. Zwar weist er keine
allzu große Wetterwirksamkeit auf (vorübergehend vielleicht ein paar dichtere
Wolkenfelder vor allem über der Osthälfte), dennoch hält er die Advektion nur
mäßig warmer Luftmassen von Nordosten her ins Vorhersagegebiet aufrecht. Nur
nach und nach kann sich die Luftmasse am Südrand des sich am Samstag von der
Barentssee über Skandinavien bis ins nördliche Mitteleuropa erstreckenden Hochs
etwas erwärmen; bis Samstag, 12 UTC steigt die 850 hPa-Temperatur immerhin auf 2
Grad im Nordosten und 8, vielleicht 9 Grad im Südwesten, wo es in den großen
Flusstälern (Oberrhein) dann wohl für einen Sommertag reicht. Im Nordosten muss
man sich dagegen mit Höchstwerten um, an der Ostsee wohl eher unter 20 Grad
begnügen.
Über die Pfingstfeiertage verlagert sich ein Höhentrog von der Irmingersee
allmählich Richtung Island/westliches Nordmeer und weitet sich nach Süden, zu
den Britischen Inseln aus. Der Höhenrücken wird dadurch über Skandinavien
abgeschnürt, wo sich eine umfangreiche Höhenantizyklone etablieren kann. An
deren Südflanke kommt das Höhentief als Kaltlufttropfen über dem Süden Polens
allmählich nach Westen voran und erreicht am Montag Tschechien.
Das Bodenhoch über Skandinavien verlagert seinen Schwerpunkt etwas nach Norden
und am Rande des Höhentiefs werden von Nordosten her weiterhin nur maximal mäßig
warme Luftmassen vor allem in den Norden und Osten des Landes advehiert (T850
hPa im Nordosten oft nur 2 bis 4 Grad, im Südwesten dagegen 6 bis 9 Grad).
Position und Zugrichtung des Höhentiefs sind natürlich noch unsicher, davon
hängt aber die genaue Wetterentwicklung, vor allem, was Bewölkung und eventuelle
Niederschläge angeht. Der aktuelle IFS-Lauf simuliert vor allem über dem Osten
und Südosten des Landes bis in den zentralen Mittelgebirgsraum ausgreifend
einzelne Schauer.
Bei viel Bewölkung und im Nordosten wird die Temperatur nach wie vor an der 20
Grad-Hürde scheitern, während mit Sonne im Südwesten Sommertage möglich sind.

In der erweiterten Mittelfrist verlagert sich das Höhentief dann nach
Süddeutschland, wo es sich nur zögernd auffüllt. In dessen Einflussbereich
dominiert unbeständiges Wetter mit einzelnen Schauern, vielleicht auch kurzen
Gewittern. Lediglich in den Norden und Nordwesten sickern am Südrand einer von
Nordosteuropa über die Nordsee nach Westen reichenden Hochdruckzone, die in
einem kräftigen Hoch über dem mittleren Nordatlantik mündet, etwas trockenere
Luftmassen.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Was die grundsätzliche Wetterentwicklung über die Pfingstfeiertage hinaus
angeht, unterscheidet sich der aktuelle IFS-Lauf von seinen Vorgängern nur
wenig: Einem sich von den Britischen Inseln bis ins Nordmeer bzw. Skandinavien
erstreckenden Höhenrücken steht ein Höhentrog bzw. Höhentief über Osteuropa
gegenüber.
Zu Pfingsten "kippt" der Höhenrücken Richtung Skandinavien, wo sich eine
eigenständige Höhenantizyklone etabliert. An deren Südflanke kommt das
osteuropäische Höhentief etwas nach Westen voran. Der aktuelle IFS-Lauf lässt es
quasi als abgeschlossenes Cut-Off-Tief, respektive als Kaltlufttropfen bis
Dienstag, 00 UTC nach Böhmen ziehen, während sie beiden gestrigen IFS-Läufe
einen mit mehreren Drehzentren (eines davon allerdings nach Lesart beider Läufe
ebenfalls über dem Westen Tschechiens) ausgestatteten Höhentrogkomplex auf der
Agenda hatten.
Im Unterschied zu den beiden gestrigen Läufen simuliert der aktuelle IFS-Lauf an
der Westflanke des Kaltlufttropfens leichte Niederschläge, am Sonntag vor allem
in der Lausitz sowie im Erzgebirge, am Montag dann weiter nach Osten/Südosten,
bis nach Bayern und in den zentralen Mittelgebirgsraum ausgreifend.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Was die Verteilung der großräumigen Geopotenzialgebilde angeht, unterscheiden
sich die vorliegenden Globalmodelle bis in die erweiterte Mittelfrist nur wenig.
Im Detail gibt es aber durchaus Differenzen. So wird bereits am Donnerstag der
über die Osthälfte Deutschlands hinweg nach Süden ziehende kurzwellige Randtrog
vom IFS etwas markanter ausgeprägt simuliert als von den übrigen Modellen.
Größer werden die Unterschiede dann mit dem Cut-Off-Prozess ab Freitag. ICON
lässt diesen deutlich weiter südlich ansetzen als IFS, das Ganze mündet dann bis
Samstag in einen mit mehreren Drehzentren ausgestatteten Höhentrogkomplex über
Südosteuropa, wobei das westlichste Höhentief über Südostpolen und Slowenien
hinweg nach Ungarn zieht und das Vorhersagegebiet nicht weiter tangiert. Die
Achse des Höhenrückens bleibt nach Lesart des Modells auch zu den
Pfingstfeiertagen über Benelux und die Nordsee hinweg bis nach Skandinavien
gerichtet, so dass - im Gegensatz zu IFS, aber auch zu GFS - überwiegend
sonniges Wetter ins Haus stünde.
GFS simuliert im Zuge des Abtropfprozesses einen Höhentief-Dipol, wobei das
westliche Drehzentrum am Freitag und Samstag über die Lausitz, Tschechien und
den äußersten Südosten Bayerns hinweg in den Ostalpenrauzm zieht. Das Ganze
mündet dann über Pfingsten in einem Höhentief-Komplex, der vom Balkan über die
Osthälfte Deutschlands bis nach Südwestskandinavien reicht.
Auch GEM simuliert einen Höhentiefkomplex über Osteuropa, der sich zu Pfingsten
allmählich etwas Richtung Mitteleuropa ausweiten soll. Ein recht markantes
Höhentief greift dann am Pfingstmontag auf den Nordosten Deutschlands über.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das Blocking-Muster zieht sich bis in die erweiterte Mittelfrist auch durch die
Clusterung des IFS. Somit ergibt sich für den Zeitraum T+72...96 Stunden auch nur
1 Cluster.
Im nächstfolgenden Zeitraum (T+120...168 Stunden) verteilen sich die 49
Ensemblemember, der Haupt- und der Kontrolllauf dann auf 3 Cluster (jeweils 22,
15 und 14 Member). Alle drei Cluster zeigen eine allmähliche Ausweitung des über
Ost-/Südosteuropa abgetropften Höhentiefkomplexes Richtung Mitteleuropa zu den
Pfingstfeiertagen. Cluster 1 ähnelt der Variante des deterministischen Laufes,
der sich, genauso wie der Kontrolllauf auch im selbigen befindet. Cluster 3
ähnelt der Cluster 1-Variante, während in Cluster 2 das sich über Pfingsten
allmählich nach Mitteleuropa ausweitende Höhentief Verbindung aufnimmt zu einem
über dem nahen Odstatlantik abtropfenden Höhentief, wodurch sich am
Pfingstmontag eine von Ost- über Mitteleuropa bis ins Seegebiet südwestlich der
Britischen Inseln reichende Geopotenzialrinne ergibt. Der blockierende
Höhenrücken über dem nordeuropäischen Raum bleibt in allen drei Clustern ähnlich
kräftig ausgeprägt.
Ebenfalls drei Cluster zeigt die erweiterte Mittelfrist (T+192...240 Stunden,
jeweils 17 Member). Generell wird in allen Clustern das hohe Geopotenzial über
Nordeuropa langsam abgebaut, während es über dem mittleren Nordatlantik mehr
oder weniger bis nach Westeuropa aber erhalten bleibt bzw. noch verstärkt wird.

Nach Lesart von Cluster 1 wirkt der Höhenrücken über Nordeuropa trotz
Abschwächung aber weiterhin blockierend mit schwachem Höhentiefeinfluss an
dessen Südflanke über Mitteleuropa.
Die Variante von Cluster 2 lässt den Schwerpunkt hohen Geopotenzials allmählich
nach Nordosten verlagern, wobei sich eine nur zögernd abschwächende
Potenzialbrücke über das nördliche Mitteleuropa und über die Britischen Inseln
hinweg bis zum kräftigen Blockadehoch über dem mittleren Nordatlantik reicht.
Erst zum Ende hin deutet sich eine Austrogung über dem nordwesteuropäischen Raum
an.
In Cluster 3 findet diese Austrogung dann bereits über Skandinavien statt, die
Potenzialbrücke über dem südlichen Skandinavien wird rasch abgebaut und für
Mitteleuropa könnte das am Ende auf eine zyklonale Nordwestlage hinauslaufen.

Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur verschiedener Rauchfahnen im
Vorhersagegebiet verläuft bis Pfingsten in einem relativ engen Spread auf recht
niedrigem Temperaturniveau (im Nordosten zwischen 0 und 3 Grad, im Südwesten
zwischen 4 und 9 Grad mit jeweils wenigen Ausreißern nach oben bzw. nach unten).
Zu und nach Pfingsten wird der Spread allmählich größer bei leicht steigendem
Temperaturniveau, wobei sich Haupt- und Kontrolllauf zunächst im oberen Bereich,
nach Pfingsten dann aber zunehmend im mittleren bis unteren Bereich der
Kurvenschar befindet.
Nur wenig Niederschlagssignale haben die Rauchfahnen für Gitterpunkte im
Nordwesten/Westen Deutschlands auf der Agenda, Richtung Osten und Südosten
nehmen sie aber vor allem zu den Pfingstfeiertagen zu. Allerdings gibt es kaum
Einzelläufe, die mehr als wenige mm/6h simulieren, flächendeckend hohe RR-Mengen
sind somit wohl auch im Osten/Südosten nicht zu erwarten.

FAZIT:
Die ICON-Variante mit überwiegend sonnigem Wetter auch zu Pfingsten stellt wohl
eine Außenseiterlösung dar. IFS, GFS und letztendlich auch die Kanadier
tendieren eher zu einer Hochdruckrandlage, wobei von Osten her ein oder mehrere
Höhentiefs dem sonnigen Pfingstwetter vielerorts einen Strich durch die Rechnung
machen können. Leider geht das Ganze wohl nicht mit allzu ergiebigen
Niederschlägen einher. Das Temperaturniveau bleibt eher gedämpft; dort, wo sich
aber die Sonne länger durchsetzen kann, vor allem im Südwesten, reicht es aber
durchaus auch für einzelne Sommertage.


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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Signifikante Wettererscheinungen sind im gesamten Mittelfristzeitraum erst
einmal nicht zu erwarten. Zu Pfingsten bzw. dann auch in der erweiterten
Mittelfrist können mit den Höhentiefs eventuell labiler geschichtete Luftmassen
eingesteuert werden, die neben Schauern auch zu einzelnen Gewittern führen,
allerdings dürfte es maximal kleinräumig für markante Begleiterscheinungen, wenn
überhaupt, reichen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, IFS-MOS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff


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