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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 05.12.2020 um 10.30 UTC



Nasskalte Troglage, gebietsweise etwas Regen oder Schnee. In den Nächten häufig
leichter Frost.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 12.12.2020


Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Dienstag nimmt der kurzzeitige Einschub
milderer Luft im Osten Deutschlands ein jähes Ende. Fortan übernimmt landesweit
wieder der mitteleuropäische Trog die Regie. Er erstreckt sich in der mittleren
Troposphäre von den Britischen Inseln bis in den zentralen Mittelmeerraum und
ist mit polarer Meeresluft (850 hPa Temperaturen im leicht negativen Bereich)
angereichert. Neben diversen weiteren Drehzentren ist für unser Wettergeschehen
der Südteil des Troges am interessantesten. Dort liegt ein doch recht
stattliches Bodentief mit einem Kerndruck von unter 1000 hPa im Großraum Rom.
Auf dessen Vorderseite werden mit einer süd- bis südöstlichen Strömung
kurzwellige Randtröge nach Süddeutschland geführt. So kommt im Tagesverlauf an
den Alpen und in Niederbayern etwas Niederschlag auf, der in tiefen Lagen meist
als Regen fallen sollte. Der Großteil der Feuchtigkeit staut sich aber weiterhin
auf der Alpensüdseite, weshalb dort die verheerende Lage mit massiven,
meterhohen Neuschneemengen mutmaßlich in die Verlängerung geht.
Hierzulande bleibt es wettertechnisch deutlich entspannter mit etwas Nieselregen
im Nordosten (aufgrund der milden Vorgeschichte auch glättefrei), sonst zwar
auch eher bewölkten, aber meist trockenen Verhältnissen. Bei nur schwacher
Luftbewegung zeigt sich nur gelegentlich mal die Sonne bei 0 bis 4 Grad, in der
Oberlausitz nochmals bis 8 Grad.

Am Mittwoch gleitet aus Südosten oberhalb der Grenzschicht wärmere Luft mit
Temperaturen > 0 Grad in 850 hPa auf die kalte Grundschicht auf. Die Qualität
der Luftmasse ist allerdings nicht mehr von der vom 02. Advent (also kommenden
Sonntag) vergleichbar, bei der die Luft noch direkter aus dem östlichen
Mittelmeerraum mit über 5 Grad in 850 hPa zu uns kam. Bei zudem schwächerer
bodennaher Durchmischung aufgrund des schwächeren Gradienten kommt davon am
Boden nicht mehr viel an. Deshalb ist auch meist bei 0 bis +5 Grad Schluss mit
den zu erwartenden Höchstwerten. Die genaue Niederschlagsverteilung gestaltet
sich noch sehr unsicher. Wahrscheinlich aber ist ein Streifen, der ausgehende
von Bayern und dem Erzgebirge sich immer weiter Richtung Nordsee ausweitet.
Treffen die Niederschläge auf die kalten Böden aus der frostigen Vornacht, so
muss örtlich mit Glatteis durch gefrierenden Regen gerechnet werden, vor allem
je weiter man nach Westen schaut. Die Schneefallgrenze sollte zwischen 400 und
600 Meter liegen, im Osten eher darüber, im Westen bei stärkeren Intensitäten
auch bis ganz runter. Dabei bleibt es unweigerlich bei der Aussage der gestrigen
Mittelfristübersicht, dass sich Details hierüber aufgrund der großen
Unsicherheiten noch verbieten, die schlimmstenfalls erst im Nowcasting zu klären
sein werden.

Am Donnerstag ändert sich an der Trogkonfiguration wenig. Die Achse kippt im
Südteil lediglich etwas nach Osten zur Adria ab, weshalb die (Höhen-) Strömung
bei uns auch immer mehr auf Ost kippt. Am Boden war das ja ohnehin schon der
Fall. Die Reste der Warmluftschliere mit leichten Niederschlägen, die teils als
Regen, teils als Schnee fallen können, liegen voraussichtlich vor allem noch
zwischen Elbe und Weser. Es besteht vor allem in den Nacht- und frühen
Vormittagsstunden erhebliche Glättegefahr durch Schnee, Überfrieren und teils
auch durch gefrierenden Regen. Ansonsten bleibt es vielfach dicht bewölkt, teils
ganztägig neblig-trüb. Auflockerungen gibt es am ehesten am Alpenrand (schwache
Südkomponente in der Höhe) und im Südwesten.

Am Freitag und Samstag kann sich der Trog durch kurzwellige Anteile, die von
Island südostwärts entlang der Jetachse Richtung Sizilien ablaufen, immer wieder
regenerieren. Hebungsrelevante Vorgänge sind kaum auszumachen, wenngleich es im
Trogbereich bei der grundsätzlich feuchten Grenzschicht natürlich trotzdem immer
mal wieder etwas nieseln oder flöckeln kann. Die durchgängige feste Phase bleibt
aber wohl den mittleren und hohen Berglagen vorbehalten. Größere Auflockerungen
bleiben selten. Die Temperaturen bewegen sich jahreszeitentypisch tagsüber
zwischen 0 und 5 Grad, nachts zwischen 0 und -5 Grad. Ob und wie schnell es in
der Folge von Westen milder wird, ist derzeit noch vollkommen offen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des EZ ist bezüglich der Basisfelder doch zufriedenstellend. Dazu
muss man aber auch sagen, dass der Trogbereich doch sehr umfangreich ist und das
Salz in der Suppe eher die kleinen Randtröge ausmachen, die entsprechend noch
mit Unsicherheiten behaftet sind.

Das Aufgleiten am Mittwoch wird im Vergleich zu den Vorläufen kräftiger und
weiter nördlich gerechnet. Stellvertretend verlagert sich die 1010 hPa Isobare
am Boden von Thüringen im gestrigen 0z Lauf nun sogar schon bis nach Kiel.
Die Lösung mit einem kleinen Randtrog am Freitag im Südwesten, der
Schneepotential bis ganz unten liefern würde, ist ganz neu.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Bis zum Ende der Mittelfrist sind die Basisfelder teilweise zwar schon mit
erheblichen Unterschieden versehen, was für das unmittelbare Wettergeschehen in
Deutschland aber weitgehend irrelevant ist. Zeit- und räumliche Unschärfen
bezüglich der Niederschläge am Mittwoch und Donnerstag werden selbst in der
Kurzfrist noch vorhanden sein - im Grundtenor stimmen die übrigen Globalmodelle
aber dem IFS mehrheitlich zu.

Vollkommen offen gestaltet sich die Entwicklung dann je näher wir dem 03. Advent
kommen. Die Randtroglösung am Freitag im Südwesten vom EZ bleibt ein
Alleinstellungsmerkmal. Die große Frage ist aber vielmehr, wie schnell und ob
überhaupt der Trog nach Osten abgedrängt wird und atlantische Tiefausläufer sich
von Westen nähern. Dabei ist recht wahrscheinlich, dass das am Wochenende
passieren wird, aber wohl mit einer recht südlichen Zugbahn des Tiefs über dem
Elsass (EZ, GFS und auch ). Nur ICON sieht den Kern eher über der südwestlichen
Nordsee. Mit bodennahen südöstlichen Winden würde es ziemlich lange kalt
bleiben, weshalb Schnee und vor allem gefrierender Regen ein noch größeres Thema
werden könnten. Bei stärkeren Niederschlagsintensitäten ist die feste Phase bei
isothermen Profilen im knapp negativen Temperaturbereich wahrscheinlicher. Bis
auf EZ zeigen die anderen Globalmodelle des vorpreschende Tief am Samstag doch
recht eindrücklich - man wird sehen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen verlaufen im gesamten Mittelfristzeitraum zwar mit einer recht
großen Streuung von knapp 10 K in der 850 hPa Temperatur, aber Haupt- und
Kontrolllauf finden beide Unterstützung der Mehrzahl der Member. Entsprechend
der Troglage sind die Niederschlagssignale diffus, ohne Hinweise auf markante
Mengen bis hin in den warnwürdigen Bereich. Im Meteogramm für Trier ist der
Hauptlauf ein kalter Ausreißer in der 2m Temperatur ab Freitag. Die Mehrheit des
EPS sieht eine Milderung von Westen, die sich mit den Lösungen der anderen
Globalmodelle deckt. Als wahrscheinlich oder gar sicher sind diese Hinweise aber
noch nicht zu interpretieren.

Bei einer derart großen Vielfalt der Modelllösungen verwundert es doch sehr,
dass im Zeitraum ab Donnerstag bis in die erweiterte Mittelfrist jeweils nur 1
Cluster abgebildet wurde. Es zeigt den Übergriff des Tiefs am Samstag mit recht
stabilen Winden aus Südost und ein nachfolgendes Abtropfen Richtung zentrales
Mittelmeer, was den Trog regenerieren würde. Die Vorzeichen stehen also
weiterhin als zyklonal geprägtes nasskaltes Winterwetter.

FAZIT:
Die Luftmasse im Trogbereich ist (leider) nur für nasskaltes Wetter ausreichend,
bei der es im Flachland allenfalls für ein matschiges und kurzlebiges
Schneeereignis genügt. Für Winterfans ist "Mehr" mittelfristig nicht in Sicht,
allerdings immerhin auch keine nachhaltige Milderung. Man ist fast geneigt zu
sagen, dass diese Lage gerne 1,5 Monate später hätte kommen können. Letztlich
muss man festhalten: Dezembertypisches Wetter in den kommenden Tagen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Wirklich ins Auge springt keine signifikante Wettererscheinung im
Mittelfristzeitraum. Für markante Schneefälle reichen die Mengen aller
Voraussicht nach nicht aus. Vielmehr besteht die Gefahr gefrierenden Regens, der
auf nächtlich ausgekühlte Boden zu einer ungünstigen Tageszeit fällt. Eine
genaue Abschätzung der zeit- und räumlichen Verteilung
lässt sich aber analog zur gestriger Mittelfristübersicht heute erneut noch
nicht seriös beantworten.

Chaotisch bleibt es auf der Alpensüdseite, die im meterhohen Schnee versinken
wird. Eine Entspannung der Lage ist frühestens in der zweiten Wochenhälfte zu
erwarten.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, Mos-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen


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