HomeVorhersageStationInstrumenteWetterübersichtTagesdiagrammWoche/MonatJahreswerteStatistikFotos/BerichteWebcamZeitrafferImpressumDatenschutz



Sachsen heute     
Sachsen morgen    
Sachsen übermorgen    
Sachsen kommende Tage    
10 Tage    
Thema des Tages        
Vorhersagediagramme        



S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.01.2026 um 10.30 UTC



Weiterhin thermische Zweiteilung: Nordosthälfte kalt bis mäßig kalt, nach
Südwesten hin milder. Zeitweise Niederschlag, im Übergangsbereich der Luftmassen
z.T. gefrierender Regen.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 04.02.2026


Lange dauert es nicht mehr, bis ein aus meteorologischer Sicht sehr
interessanter, mit mehreren winterlichen Highlights gespickter Januar zu Ende
geht. Kräftige Schneefälle, Schneeverwehungen, Glatteis, es wurde einiges
geboten. Auch die Tatsache, dass intern 8 Unwettersofortberichte
unterschiedlichen Umfangs geschrieben wurden, zeugen von dynamischen Abläufen
vorwiegend winterlicher Prägung. Aktuell sowie in der Kurzfrist schneit es schon
wieder in Teilen des Landes, während im Süden und Westen schmuddeliges und
nasses Tauwetter Einzug gehalten hat. Wie auch immer, am kommenden Sonntag
beginnt der Februar, seines Zeichens letzter Monat des meteorologischen Winters.
Stellt sich die Frage, ob sich das abwechslungsreiche Winterwetter fortsetzt
oder vielleicht der große Milddurchbruch kommt. Setzt sich gar mal ein Hoch mit
Wintersonne bei uns fest oder schlittern wir möglicherweise in eine
unspektakuläre "Gammelwetterphase". Es folgt der Versuch einer Antwort, wenn
auch nur für die ersten Tage des kürzesten aller Kalendermonate.

Einsteigen tun wir am kommenden Samstag, dem offiziellen Beginn des
Mittelfristzeitraums. Die großräumige Wetterkarte zeigt im Grunde zwei Systeme,
die für das Geschehen bei uns von Belang sind. Auf der einen, der
nordosteuropäischen respektive fennoskandischen Seite ein kräftiges, in seinem
Westteil teils dynamisches, in seinem Ostteil rein thermisches Hoch. Es
verlagert seinen Schwerpunkt bis Wochenanfang allmählich nach Süden Richtung
Baltische Staaten/Belarus/Ukraine, was aber nichts an seiner weiterhin bestens
funktionierenden blockierenden Wirkung ändert. Zyklonaler Konterpart ist ein
sich immer wieder regenerierender Potenzialtrog über dem nahen Atlantik, der mit
verschiedenen, sich ständig abwechselnden Tiefdruckgebieten zusammenarbeitet.
Gleichzeitig streckt er seine Fühler - notgedrungen könnte man hier anfügen -
bis in den Mittelmeerraum aus, wo er am Samstag eine Zyklogenese über dem
Löwengolf anstößt. Kennen wir schon, hatten wir alles schon in der jüngsten
Vergangenheit. In diesem Fall macht das resultierende Bodentief eine
Mittelmeerkreuzfahrt von West nach Ost, bevor es zu Beginn der neuen Woche in
den nahen Orient weitergeht.

Und bei uns? - Nun, hier lässt sich aus der beschriebenen Konstellation eine
gewisse Zweiteilung ableiten. Während am Rande des Hochs mit östlicher Strömung
weiterhin kontinental geprägte Kaltluft insbesondere in den Norden und Osten
advehiert wird (=> etwa von der Weser ab Tagestemperaturen um den Gefrierpunkt
bzw. leichter Dauerfrost), setzen sich nach Südwesten hin mildere Luftmassen
durch. Diese werden nicht etwa von einer scharfen Luftmassengrenze von der
Kaltluft getrennt. Vielmehr gibt es an allen Tagen einen mehr oder weniger
breiten graduellen Übergangsbereich, der kleineren Schwankungen hinsichtlich
seiner räumlichen Ausdehnung unterworfen ist.

Fakt ist, dass der Süden und Westen im Randbereich einer Rinne liegen, welche
die Tiefdruckgebiete auf dem nahen Atlantik mit dem mediterranen Tief verbindet.
Am Sonntag gesellt sich ein kleiner Randtrog dazu, der sich aus dem Haupttrog
löst, von Frankreich/Benelux übergreift und bis Montag sogar in den Nordosten
vorankommt. Trotz dieser zyklonalen Rahmenbedingungen bleibt die
Wetterwirksamkeit stark limitiert: im Westen und Südwesten mitunter und auch
nicht flächendeckend leichter Niederschlag, meist als Regen/Nieselregen, an der
Grenze zur Kaltluft teils gefrierend, kaum Schnee.

Am Dienstag und Mittwoch setzt sich bei uns ein Rücken fest, der vom zentralen
Mittelmeer bis zum Europäischen Nordmeer reicht. An der blockierenden
Hochrandlage ändert das nichts, eher wird sie noch etwas stärker einbetoniert.
Allerdings, im weiteren Verlauf der Woche kippt der Haupttrog über dem nahen
Atlantik langsam aber stetig gegen den Uhrzeigersinn, was ihm nicht nur eine
negative Achsneigung beschert. Gleichzeitig greift er mehr und mehr auf den
Vorhersageraum über, der Rücken wird nach Osten abgedrängt. Auch fällt der
Luftdruck, wodurch die o.e. Rinne Boden nach Nordosten hin gutmacht inkl.
niedertroposphärischer Milderung. So richtig wird die Blockierung aber immer
noch nicht aufgebrochen, weil sich das Hoch nach einer vorübergehenden leichten
Schwächephase über Fennoskandien wieder verstärkt. Bodennah wird also weiterhin
Kaltluft in den Norden und Nordosten gesteuert, was am Mittwoch und Donnerstag -
so die Prognose von IFS (00 UTC) eintrifft - ein größeres Problem schaffen
könnte: Stichwort "massive Glatteislage"! Zugegeben, noch viel Konjunktiv und
angesichts der eher erratisch anmutenden Niederschlagsprognosen sowohl im
Modellvergleich als auch in der internen Betrachtung alles andere als sicher.

__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz von IFS (ECMF) ist insofern als gut zu bezeichnen, als dass an
der Blockierung durch das kräftige fennoskandische Hoch festgehalten wird. Heißt
konkret, atlantische Systeme tun sich nach wie vor schwer, bei uns Fuß zu
fassen, auch wenn es jetzt aktuell partiell mal gelungen ist (Westen/Süden,
Teile der Mitte). Meist kommen die Ausläufer nur in abgeschwächter Form im
Vorhersageraum an (geringe Niederschläge, bei jedem Modelllauf etwas anders
gerechnet) und schaffen es nicht, den Nordosten des Vorhersageraums zu
erreichen. Dort bleibt es die ganze Zeit über kalt bis mäßig kalt, während sich
im Südwesten mildere Luft durchsetzen kann. Ob dann bis zum übernächsten
Wochenende auch im Nordosten etwas mildere Luft vorstellig wird und zuvor
Niederschlag in Form von gefrierendem Regen mit Glatteis auftritt, wie von
einigen numerischen Produkten angedeutet, ist fraglich. Es deutet eher darauf
hin, dass bodennah die Ostkomponente erhalten bleibt, was die Zufuhr von
Mildluft unwahrscheinlich bis unmöglich macht.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Grundsätzlich setzen auch die anderen etablierten Globalmodelle (ICON, GFS, GEM,
UK10) zumindest anfangs noch auf Fortdauer der Blockierung. Unterschiedliche und
von Lauf zu Lauf immer mal wieder wechselnde Sichtweisen gibt es darüber, in
welcher Art und Weise die zyklonalen Attacken der atlantischen Systeme bei uns
ausfallen. UK10 z.B. nimmt dabei eine ähnlich defensive Position wie IFS ein,
das ja erst ab Mittwoch so richtig zuschlagen will. ICON und GFS sehen die
Blockade schwächer respektive arbeiten akribischer an deren Abbau. Bereits ab
Sonntag lassen sie wiederholt Randtröge, Frontensysteme oder beides relativ
progressiv auf Deutschland übergreifen. Heißt im Vergleich zu IFS aggressivere
Niederschlagsprognosen in Bezug auf Intensität, aber auch räumlicher Ausdehnung
(viel weiter nach Osten und Nordosten), Glatteisszenarien inklusive. Die
Vorhersage wird dadurch nicht sicherer.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte offerieren bei Temperatur
850 hPa und Potenzial 500 hPa einen bis Wochenanfang recht eng gebündelten
Kurvenverlauf. Danach fangen die Ensembles leicht an zu divergieren, ohne aber
völlig aus dem Ruder oder in eine vogelwilde Verteilung zu laufen. Bis Mittwoch
zeigt der Trend nach oben, im Westen und Süden etwas steiler als im Norden und
Osten. Danach geht es beim Potenzial wieder recht eindeutig nach unten, während
der Kurs bei der Temperatur eher seitwärts oder nur leicht abwärts gerichtet
ist. Es sei noch mal darauf hingewiesen, dass es sich hier um
850-hPa-Temperaturen handelt. Will sagen, eine niedertroposphärische Milderung
bedeutet gerade in dieser Jahreszeit nicht unbedingt einen analogen
Temperaturanstieg in der Grundschicht. Die Frage wird sein, wie weit die
östliche Strömung am Ende auf Südost rechtdreht. Je stärker die Drehung
ausfällt, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Milderung. Beim Niederschlag
gibt es durchweg ein gewisses Grundrauschen, das - je weiter man nach Osten und
Nordosten schaut - schwächer und flacher ausfällt.

Zur Clusterung, die T+72...96h (Samstag/Sonntag) zwar vier Schubladen aufmacht,
welche sich bei uns aber kaum unterscheiden und alle den Button NAO negativ
tragen. NAO negativ bleibt auch von Montag bis Mittwoch (T+120...168h) das Maß der
Dinge bei nur noch drei Clustern. Alle zeigen das Kippen des Atlantiktrogs in
Richtung ME, allerdings mit unterschiedlicher Geometrie und Timing. Es sind
erste zaghafte Versuche, dem ost-nordosteuropäischen Hoch "ans Bein zu pinkeln",
was einen Elefanten aber nicht unbedingt stört. Einigkeit herrscht ab Donnerstag
in der erweiterten Mittelfrist (T+192...240h, zumindest bei der Clusterung. Ein
einziges Muster wird angeboten (NAO negativ), das in Richtung südliche Westlage
tendiert. Der Schwerpunkt des Bodenhochs würde demnach über Skandinavien weiter
nach Westen rutschen und bei uns eine östliche Grundströmung aufrechthalten.

FAZIT:
Die Blockierungslage mit dem ost-nordosteuropäischen Hoch dauert zwar weiter an,
wird aber immer wieder von atlantischen Systemen gepiesackt. Wie stark diese
Störfeuer ausfallen, wird derzeit noch unterschiedlich gesehen. IFS und UK10
agieren eher defensiv, während ICON und GFS (+ einiger Ensembles von IFS) den
Club der Offensiven vertreten. Demnach würden schon ab Sonntag wiederholt
Niederschläge nicht nur von Westen übergreifen, sondern auch recht weit nach
Osten und Nordosten vorstoßen. Angesichts der thermischen Vorgeschichte keine
gute Nachricht, würde es doch in Teilen nicht unerheblich zu gefrierendem Regen
mit Glatteis kommen. Unsicher und undankbar, aber so geht Wettervorhersage nun
mal.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


An der Küste weht durchweg ein starker bis stürmischer Ost- bis Südostwind mit
Spitzen 8 Bft, ab Wochenanfang vereinzelt auch 9 Bft.

Ansonsten tut man sich aufgrund der heterogenen Niederschlagsprognose sowohl der
Modelle als auch der probabilistischen Anschlussverfahren schwer, belastbare
Aussagen zu treffen. Was man konstatieren kann, ist eine zurückgehende
Wahrscheinlichkeit für Schneefall. Dafür schwebt das Damoklesschwert von
gefrierendem Regen/Nieselregen mit Glatteis ständig über uns, ohne dass an
dieser Stelle Substanzielles in puncto Timing, räumlicher Verteilung oder
Intensität verlautbar wäre. Wenn´s nach dem HRES von IFS geht, müssten wir uns
erst am Mittwoch/Donnerstag in die richtige Hab-Acht-Stellung begeben. Wenn ICON
und GFS Recht behalten, schon früher - undankbar!
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS (+ UK10 beim Niederschlag) mit IFS-EPS und MOS-Mix. Beim Niederschlag wird
auf die defensivere Variante gesetzt.
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann


Home Impressum Gästebuch oben