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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 19.02.2026 um 10.30 UTC



Erst zyklonale Westlage, dann Übergang in zunehmend antizyklonale Südwestlage
mit deutlicher Milderung. Anfangs unbeständig mit Regen, Tauwetter und Wind,
danach Wetterberuhigung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 26.02.2026


Schaut man heute Morgen hier in Offenbach aus dem Fenster, kann man durchaus den
Begriff "winter wonderland" bemühen: alles weiß, schön beschneite Bäume, dazu
leichter bis mäßiger Schneefall. Ja, ja, der Winter 2025/26 hat sich seinen
Namen verdient, wenn auch mit regional unterschiedlichen Gewichten. -17°C heute
früh in Ostholstein beispielsweise sind auch nicht von schlechten Eltern.
Kurzum, wenn wir uns den Status Quo mal so anschauen und dazu noch die
kurzfristige Entwicklung mitberücksichtigen (teils kräftige Schneefälle im
Süden), braucht es schon ein hohes Maß an atmosphärenphysikalischer Fantasie
sich ernsthaft vorzustellen, dass wir in nicht mal einer ganzen Woche die Frage
diskutieren, ob wir im Süden 20°C erreichen oder knapp nicht. So schnell kann´s
gehen in der Atmosphäre. Wie und warum könnt ihr in den nun folgenden
Abhandlungen lesen, wobei es sich durchaus lohnt, zuvor die Synoptische
Übersicht Kurzfrist zu konsumieren, weil die einleitenden Prozesse der
großräumigen Wetterumstellung bereits am morgigen Freitag und Samstag beginnen.

Wir steigen ein am Sonntag, dem offiziellen Beginn des mittelfristigen
Prognosezeitraums. Deutschland befindet sich zwischen hohem Druck über
Südwesteuropa (es ist sehr lange her, dass das westliche Mittelmeer und die
Iberische Halbinsel ein richtiges Hoch für mehrere Tage begrüßen konnten) und
einem südlich an Island vorbei in Richtung Norwegische See ziehenden Tiefs. Die
Frontalzone greift von der Nordsee auf den Norden des Landes über und induziert
bei uns gemeinsam mit der Druckverteilung eine recht lebhafte west-südwestliche
Grundströmung, mit der milde bis sehr milde Luftmassen vom Atlantik (T850 2 bis
5°C bei sehr guter Durchmischung) advehiert werden. Die (thermisch schwache)
Kaltfront eines eingelagerten Frontensystems kommt nach Passage der Warmfront
irgendwo über der Mitte ins Schleifen bzw. Wellen, bevor sie bis Montagfrüh in
den Süden vorrückt. Summa summarum ein hebungsintensives Szenario, das nur im
Süden (tagsüber) einige Aufhellungen oder Auflockerungen zulässt. Ansonsten
bleibt es dicht mit teils erklecklichen Regenfällen zwischen 5 und 15, in
Staulagen lokal um 20 l/m² innert 24 Stunden, Tauwetter und Schneeschmelze dort,
wo noch Schnee liegt, on top.

Zu Beginn der neuen Woche beginnt die Frontalzone zu mäandrieren. Auslöser ist
eine Sturmtiefentwicklung südwestlich von Neufundland, die ein
downstream-development in Gang setzt: einsetzender Potenzialgewinn über dem
nahen Atlantik (WLA) => beginnender Potenzialverlust über Mitteleuropa. Die o.e.
Kaltfront erreicht die Alpen, wodurch rückseitig niedertroposphärisch etwas
kältere Meeresluft (T850 von Nord nach Süd -2 bis +3°C) in den Vorhersageraum
gelangt. Bei weiterhin guter Durchmischung fällt die Abkühlung im 2m-Niveau kaum
merklich aus. Rechnen müssen wir weiterhin mit einem mäßigen bis frischen
westlichen Wind sowie vielen Wolken und Regenfällen, die überwiegend in
Schauerform fallen. Möglich, dass die höchsten Kämme und Kuppen der zentralen
und nördlichen (Harz) Mittelgebirge etwas Schnee abbekommen, von einem refresh
des Winters kann aber nicht im Ansatz die Rede sein.

Im weiteren Verlauf der Woche setzt sich die Meridionalisierung der
Potenzialverteilung bei gleichzeitiger Progression fort. Heißt für uns nach
einer Warmfrontpassage mit wenig Regen am Dienstag Übergreifen des sich weiter
amplifizierenden Höhenrückens mit vorübergehendem Druckanstieg und Zufuhr sehr
milder, für Ende Februar sogar ungewöhnlich milder Luftmassen aus dem
südwesteuropäischen respektive nordwestafrikanischen Raum. Wenn man so will
kommen wir bis Mittwoch in einen großen, antizyklonal konturierten Warmsektor
eines mehrkernigen Tiefdrucksystems über dem nahen Atlantik und dem Nordmeer, in
dem T850 deutschlandweit auf rund 10°C (Mittwochabend) steigt. Damit wird
deutlich, dass unter günstigen Voraussetzungen (Einstrahlung, etwas oder auch
etwas mehr Wind, evtl. orografische Mithilfe) ein Temperaturanstieg in die Nähe
der 20°C-Marke im Süden keine Mähr ist. Aber selbst wenn´s am Ende nicht reichen
sollte, 17, 18 oder vielleicht auch 19°C sind für einen 25 Februar ein echtes
Frühlingsstatement.

Für den Donnerstag und Freitag deutet sich dann das allmählich Übergreifen des
Troges an, der in Verbindung mit der o.e. Sturmtiefentwicklung bei Neufundland
stand. Verbunden ist das mit dem Einströmen erwärmter Meereskaltluft subpolaren
Ursprungs (T850 unter 0°C), was aber eigentlich so richtig erst für das
Wochenende simuliert wird. Ohnehin gibt es noch ein paar Fragzeichen, wie genau
der Übergang vonstattengeht. Lassen wir uns überraschen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS-Models vom ECMF ist gut bis sehr gut. Dem Durchbruch sehr
milder bis - per definitionem - ungewöhnlich milder Luftmassen vom Atlantik
steht nichts mehr im Wege. Dabei kommt es vor allem am Sonntag, mit Abstrichen
auch noch am Montag verbreitet zu recht erklecklichen Regenfällen, Tauwetter und
kräftige Schneeschmelze inklusive. Zur Wochenmitte tendiert die
Regenwahrscheinlichkeit bei zunehmendem Hochdruckeinfluss gen null. Stattdessen
nähern wir uns im Süden und Südwesten mit großen Schritten der 20°C-Marke.
Etwas unklar ist derzeit noch, wann und wie genau die nächste Störung vom
Atlantik mit weniger milder, aber nicht wirklich kalter Luft übergreift und das
Hoch verdrängt. Die neueste Version von heute 00 UTC signalisiert gegenüber den
vorherigen Läufen ein etwas verzögertes Szenario, in dem am Donnerstag zunächst
die westlichen Landesteile, danach dann auch der Rest des Vorhersageraums an der
Reihe wären.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Was die oben geschilderte Entwicklung angeht, ziehen die Big Five unter den
Globalmodellen (neben IFS noch ICON, GFS, GEM und UK10) an einem Strang. Dass
dabei gerade bei der Verteilung der Regenschwerpunkte Unschärfen gegeben sind,
verwundert nicht wirklich. Gegenüber den letzten Tagen sind die Diskrepanzen
aber kleiner geworden. Fakt ist, dass alle Modelle am Mittwoch den Höhenrücken
bei uns oder ganz knapp östlich sehen. Und auch die Zufuhr subtropischer
Luftmassen mit Höhepunkt Mittwoch wird unisono vorhergesagt. Das Übergreifen des
Troges wird von den weiterführenden Modellen GFS und GEM ebenfalls angeboten.
Bei GEM allerdings etwas verzögert und auch abgeschwächt, weil der Trog zuvor
abtropft. Hier gibt es also noch einige Optionen, der grobe Trend steht aber.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen insgesamt einen
sehr gutmütigen Verlauf, der Geschichte des Hauptlaufs (HRES) weitgehend
bestätigt. Selbst im Laufe der nächsten Woche hält sich die Streuung der
Einzellösungen einigermaßen in Grenzen. Am größten wird der Spread ab
Mittwoch/Donnerstag, insbesondere beim Potenzial 500 hPa, was die Unsicherheit
in Bezug auf das Übergreifen des Troges widerspiegelt. Das anfänglich starke
Niederschlagsrauschen ebbt zum Dienstag hin merklich ab und lebt erst am
Donnerstag, im Osten z.T. erst am Freitag wieder auf, wenn auch mit geringerer
Intensität als am kommenden Wochenende.
Kleines Schmankerl noch am Rande. Ab Dienstag gibt es ein bis zwei, im Osten und
Nordosten drei bis vier auffällige Ausreißer, welche die von der Mehrheit (+
HRES) bevorzugte Erwärmung nicht mittun wollen. Beispiel Offenbach: Während das
Gros der Ensemblemitglieder zwischen 5 und 10°C auf 850 hPa liegt, turnt eine
einzige Lösung an der -5°C (in Worten minus fünf Grad Celsius)-Linie rum. Um am
Freitag auf -10°C abzusacken. Nun gut, manch einer - und sei er nur
unscheinbares Mitglied eines Modellensembles - kann vom Winter nicht loslassen.


Zur Clusterung, die am Sonntag (T+72...96h) mit satten fünf Vorschlägen aufwartet.
Alle sind dem Regime "NAO+" zugeordnet und unterscheiden sich für unseren Raum
bestenfalls marginal. Drei Cluster werden für den Zeitraum T+120...168h (Dienstag
bis Donnerstag) angeboten. Die Muster sind in allen drei Fällen ähnlich
(mäandrierende Frontalzone) und zeigen einen langsam über Mitteleuropa bzw.
Deutschland ostwärts hinwegwandernden Rücken. Unterschiedlich sind Timing und
Geometrie des nachfolgenden Troges. CL 2 (17 Fälle) ist am schnellsten (schon im
Laufe des Mittwochs). CL 1 und 3 (22 + HRES, 12) agiert verzögerter, weil der
Trog westlich von uns auf Kosten der Wellenlänge seine Amplitude vergrößert. CL
3 kommt dem Abtropfen nach Muster des GEM ziemlich nahe, was sogar in eine
Einstufung in das Strömungsregime "Blockierung" mündet.
Ab Freitag (T+192...240h) können dann vier Cluster begutachtet werden. Vereinfacht
gesagt offenbaren sich dabei folgende Muster: CL 1 20 + HRES) setzt auf TrM,
sprich Trog Mitteleuropa. Cl 2 und Cl 3 (14, 12) tendieren zu einer Südwestlage
mit antizyklonalem Einschlag im Alpenraum + Süddeutschland. Eine ganz andere, so
gar nicht zu den anderen Lösungen passende Idee verfolgt das Außenseitercluster
CL 4 mit gerade mal 5 Fällen. Hier weitet sich das sibirische Hoch erneut bis
nach Fennoskandien aus, während sich im Bereich westliches Mittelmeer/Iberische
Halbinsel ein hochreichendes Tief etabliert. Kennen wir, hatten wir schon, und
das nicht zu knapp. Hat was von high-over-low, bei dem Deutschland in eine
ost-südöstliche Strömung gelangen würde, mit der bestimmt nicht der Frühling zu
uns transportiert wird. Okay, alles noch mit viel Konjunktiv, aber hat schon
einen gewissen Charme die Variante und erklärt zudem die o.e. kalten Ausreißer
in den Rauchfahnen.

FAZIT:
Der seit Tagen apostrophierte Milddurchbruch wird auch heute durch die Bank weg
bestätigt und gipfelt am Mittwoch in eine antizyklonal geprägte Süd-Südwestlage,
in der wir im Süden und Südwesten dicht an die 20°C-Marke herankommen dürften.
Interessant und noch offen die erweiterte Mittelfrist, wo von Trog- über
Südwest- bis hin zu einer (wohl kaum frühlingshaften) Ost-Südostlage alles
geboten ist.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Vor allem für Sonntag signalisieren die verschiedenen numerischen Produkte
erhöhte Regenmengen in einigen Mittelgebirgen, zu denen sich auch noch
Schmelzwasser durch Tauwetter gesellt. Zwar ist das sich daraus ergebende
Niederschlagsdargebot nicht ganz einfach einzuschätzen. Es kann aber von 30 bis
40 l/m² innert 24 h ausgegangen werden. Am Montag nimmt die Regenintensität
allgemein ab, gleichwohl kann es gerade im Stau der Mittelgebirge noch etwas
stärker regnen. Mengen um 25 l/m²/24 h deuten sich am ehesten für den
Bajuwarischen Wald an (noch unsicher). Danach nimmt die Regenwahrscheinlichkeit
deutlich ab.

Mit dem Milddurchbruch frischt auch der Wind merklich auf. Oder besser das Pferd
von der anderen Seite aufgezäumt, der auffrischende Wind bedingt die Zufuhr der
milden Luftmassen. Egal, wichtig ist, dass der west-südwestliche Wind gerade am
Sonntag und voraussichtlich noch etwas mehr am Montag soweit aufbrist, dass an
der See Böen 8 Bft und im höheren Bergland je nach Exposition 8 bis 10 Bft
erwartet werden können. Am Montag könnte auch im Flachland bzw. in tiefen Lagen
die ein oder andere Böe 8 Bft auftreten, wobei die Regionalisierung noch offen
ist. Nach Montag beruhigt sich die Szenerie deutlich.

Auch wenn es keine signifikante Wettererscheinung im klassischen Sinne ist, soll
an dieser Stelle nicht die überaus bemerkenswerte Erwärmung mit dem
voraussichtlichen Höhepunkt am Mittwoch unter den Tisch fallen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann


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